B125 – Nicht alle keycards sind hier wichtig

Board 9 beim BBO Turnier des DBV am 14. Juli, nachmittags. Nicht alle keycards sind hier wichtig. Wie findet man heraus, ob der Partner die richtigen keycards hat?

Der Beginn

Nord passt und Ihr Partner auf Ost eröffnet mit 1♠. Süd stört mit einem 2♣ Gebot. Jetzt sind Sie dran mit diesem Blatt:

Verteilung West

Sie haben einen Fit in Pik, Chicane in der Gegnerfarbe und 20FV. Was wäre Ihr Gebot?

  • X
  • 3♣
  • 3
  • 4♣
  • 4♠
  • 4SA
  • 5♣

Nicht alle keycards sind hier wichtig

Bei meinem Bietsystem (Forum D Plus 2015 modifiziert) haben die vorgeschlagenen Gebote folgende Bedeutung (siehe auch Lehrbuch Forum D Plus 2015, die Wettbewerbsreizung):

X – Kontra als forcierendes Gebot:

Das Kontra zeigt mindestens 8FL und ist forcierend. Es verspricht entweder einen Fit in der eröffneten Farbe mit einladender Stärke oder die Restfarben. Für mich ist dieses Gebot mit der vorliegenden Westhand nicht sinnvoll. Was macht man, wenn der Eröffner seine erste Farbe wiederholt? Man kann zwar anschließend die Gegnerfarbe überrufen oder die Assfrage mit 4SA stellen, aber das hätte man dann auch gleich machen können.

Überruf der Gegnerfarbe ohne Sprung – 3♣

Der direkte Überruf der Gegnerfarbe verspricht ab 11FV mit gutem Trumpfanschluss (mindestens Topfigur zu dritt oder 4 kleine). Wiederholt der Partner mit Minimum die Eröffnungsfarbe, kann man entweder die Assfrage stellen oder Kontrollen auf der 4-er Stufe. Bei dem vorliegenden Board würde man also über 3♠ die erste Kontrolle mit 4♣ zeigen. Zeigt der Eröffner mit 4 eine Erst- oder Zweitrundenkontrolle in Coeur, stellt man die Ass Frage mit 4SA. Leider weiß man nach der Antwort 5♠ (2 keycards und die Trumpfdame) nicht, ob der Eröffner das wertlose ♣A hat.

Die eigene Farbe im Sprung – 3

Der Fit in Pik steht bereits fest. Ein Fitsprung kommt mit der ungepassten Hand von West nicht in Frage. Damit scheidet dieses Gebot aus.

Ein Splinter Gebot – 4♣

Der Überruf der Gegnerfarbe im Sprung verspricht Single oder Chicane in Treff, ab 15FV und 4-er Anschluss in Pik. Das Gebot entspricht zwar nicht vollständig den Regeln, allerdings hat man eine Topfigur in der Partnerfarbe. Beim vorliegenden Board würde der Eröffner darauf mit 4♠ antworten, da er sein Blatt mit Werten in Treff abwertet. West kann jetzt die Ass Frage mit 4SA stellen oder Erstrundenkontrollen auf der 5-er Stufe reizen. Dann findet man auch heraus, dass das A fehlt.

Verteilung Nord

Pass

Pass

Pass

Verteilung Ost - Nicht alle keycards sind hier wichtig

1♠

4♠: Treffwerte nutzlos

5♠: keine Erstrundenkontrolle

Verteilung Süd

2♣

Pass

Pass

Verteilung West

4♣: Splinter

5♣: Erstrundenkontrolle

6♠: Abschluss

Der Sprung ins Vollspiel – 4P

Dieses Gebot ist sperrend und zeigt einen 5-er Anschluss in Pik und nicht mehr als 10FL.Mit der vorliegenden sehr starken West Hand kommt es nicht in Frage.

Die normale Ass Frage – 4SA

Damit wird der Fit indirekt bestätigt und direkt die Ass-Frage gestellt. Ein vertretbares Gebot, da man über alle Kontrollen verfügt. Antwortet der Partner allerdings mit 5 (2 keycards und die Trumpfdame) weiß man nicht, welche keycards das sind. Hat er ♠A und A, ist der Großschlemm praktisch sicher. Hat er hingegen das ♠A und das ♣A, sollte man sich mit dem Kleinschlemm begnügen. Das kann man nicht mehr herausfinden, da ein weiteres Gebot auf 5 des Partners nach Königen fragen würde.

Ass Frage mit Exclusion keycard – 5

Dieses Gebot bestätigt indirekt den Fit in Pik und fragt nach der Anzahl der keycards unter Ausschluss von Treff. Als Antwort bekommt man bei diesem Board 5 (1 Keycard von 4), also begnügt man sich mit dem Kleinschlemm. Diese Vorgehensweise führt aus meiner Sicht am einfachsten und schnellsten zum Ziel.

Auch ohne die freche Zwischenreizung von Süd hätte man die Konvention “Exclusion keycard” einsetzen können:

Verteilung Nord

Pass

Pass

Verteilung Ost - Nicht alle keycards sind hier wichtig

1P

5 (1 oder 4 von 4)

Verteilung Süd

2♣

Pass

Verteilung West

5♣ (Exclusion keycard)

6♠

Fazit

Bei diesem Board kommt man auf verschiedene Weise in den richtigen Kontrakt, da der Eröffner mit ♣A eine “falsche” keycard für den Großschlemm hat. Durch die Zwischenreizung des Gegners ist es jedoch durchaus vorstellbar, dass der Eröffner das ♠A und das A hat. Dann wäre der Großschlemm eine sichere Sache. Das lässt sich am einfachsten mit der Konvention “Exclusion keycard” herausfinden, wobei man die Ass-Frage unter Ausschluss der genannten Farbe stellt. Exclusion keycard muss immer im Sprung oberhalb des Vollspiels gereizt werden.

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