B189 – Zweifärber nach 1SA-Eröffnung des Gegners

Board 16 beim Paarturnier des Bridgedomizils in München am 17. Oktober 23. Bei diesem Board sind O/W in Gefahr und N/S in Nichtgefahr. Auch nach der 1SA-Eröffnung des Gegners kann man mit einem Zweifärber noch in die Reizung kommen.

Der Zweifärber nach der 1SA-Eröffnung

Der Gegner auf West eröffnet mit 1SA (15-17FL), Ihr Partner passt, ebenso der Partner des Eröffners. Jetzt kommen Sie auf Süd in letzter Position mit diesem Blatt:

Verteilung Süd - Zweifärber nach 1SA-Eröffnung des Gegners

Was wäre Ihr Gebot?

Die Argumente für die Entscheidung

  • Pass: Sie haben keinen schönen Zweifärber: Die Verteilung ist nur 5-4 mit Coeur und Karo und die Top-Werte liegen außerhalb dieser beiden Farben. Auch die Anzahl der Verlierer ist mit 7,5 (3 in Coeur, 2,5 in Karo, 2 in Treff) etwas zu hoch. Dazu kommt, dass der Gegner in Gefahr ist. Wenn er zweimal fällt, wäre das bereits besser als das eigene Teilspiel.
  • Zweifärber: Sie sind in Nichtgefahr und in letzter Position. Der Partner sollte einige Punkte haben, da der Partner des Eröffners gepasst hat. Wenn Sie passen, muss Ihr Partner auf Nord gegen 1SA ausspielen. Er wird dann vermutlich nicht Coeur angreifen, sondern eher Pik oder eine andere Farbe.

Im Turnier hielten sich die Entscheidungen mehr oder minder die Waage. Ich tendiere doch eher zur Reizung des Zweifärbers. Dabei gibt es unterschiedliche Konventionen wie Multi-Landy, DONT oder Brozel. Nachfolgend habe ich die potenzielle Reizung für 2 der Konventionen erörtert.

Zweifärber mit Multi-Landy gereizt

Diese Konvention ist Bestandteil von Forum D Plus 2015 und wird im Lehrbuch zur Gegenreizung genauer beschrieben (ab Seite 124).

Die Bedeutungen der Gebote nach der 1SA-Eröffnung des Gegners:

  • Kontra: lange Unterfarbe
  • 2♣: Zweifärber in Oberfarben
  • 2: eine lange Oberfarbe
  • 2: Zweifärber in Coeur + Unterfarbe
  • 2♠: Zweifärber in Pik + Unterfarbe
  • 2SA: Zweifärber in Unterfarben

Beim vorliegenden Board wäre also 2 das richtige Gebot. West wird darauf passen und jetzt kommt Nord mit diesem Blatt:

Verteilung Nord

Nord ist hocherfreut über die Wiederbelebung von Süd. Aber wie beschreibt man jetzt am besten sein Blatt?

  • Pass
  • 3
  • 4

Die Alternativen

  • Pass: Dieses Gebot scheidet für mich aus. Man hat wesentlich mehr Punkte als der Partner erwarten konnte. Dazu kommt der Fit in Coeur und in jedem Fall in einer der beiden Unterfarben.
  • 3: Mit diesem Gebot schiebt man die Verantwortung wieder an den Partner zurück. Dieser kann nicht mehr als 12 Punkte haben (15 hat der Eröffner mindestens und selbst hat man auf Nord 13) und wird deshalb die Einladung zum Vollspiel ablehnen.
  • 4: Es lohnt sich darüber nachzudenken, wie viele Verlierer der Partner maximal haben kann und wie viele man davon abdeckt. Ist er diszipliniert und hat nicht mehr als 7 Verlierer in Nichtgefahr, dann deckt man 4 davon ab (1 Verlierer in Coeur, 1 in Karo und 2 in Treff). Damit sollte das Vollspiel eine realistische Erfolgschance haben.

Zweifärber mit DONT gereizt

Die Bedeutungen der Gebote nach der 1SA-Eröffnung:

  • Kontra: beliebige lange Farbe, außer Pik
  • 2♣: Zweifärber in Treff und beliebiger zweiter Farbe
  • 2: Zweifärber in Karo und einer Oberfarbe
  • 2: Zweifärber in den Oberfarben
  • 2♠: Einfärber in Pik
  • 2SA: Zweifärber in den Unterfarben

Beim vorliegenden Board müsste man auf Süd also 2 bieten. Nord steht wieder vor einer schwierigen Entscheidung. Er kennt die Oberfarbe nicht, hat aber Anschluss zu beiden. Wenn er 2 bietet, wird Süd aller Voraussicht nach passen. Ich kenne bei DONT keine standardisierte Weiterreizung. Hier sehe ich als einzige Möglichkeit, um doch noch ins Vollspiel zu kommen, 4 zu bieten. Hoffentlich versteht der Partner das als “Pass or Correct”. Hat der Partner als zweite Farbe Coeur, passt er, sonst bietet er 4♠. Obwohl ich DONT als Zweifärberkonvention nach der 1SA-Eröffnung des Gegners vorziehe, muss ich zugeben, dass man es bei diesem Board mit Multi-Landy etwas einfacher hat.

Der Spielplan

Hat man das Vollspiel mit 4 erreicht, sollte man es auch erfüllen. Dabei helfen die Informationen aus der Reizung. Da West mit der 1SA-Eröffnung mindestens 15 Punkte gezeigt und N/S zusammen 23 Punkte haben, bleiben für Ost maximal 2 Punkte.

Verteilung Nord
Dummy
Verteilung Süd - Zweifärber nach 1SA-Eröffnung des Gegners
Alleinspieler

Wird der Kontrakt von Süd gespielt (Konvention Multi-Landy), greift West voraussichtlich mit Pik an. Im Verlauf des Spiels kommt West zweimal mit Trumpf an den Stich. Wenn mit Pik angegriffen wurde und Pik von West weitergespielt wird, dann fällt beim dritten Mal der B bei Ost. Entscheidend für den Gewinn des Kontrakts ist die Behandlung der Karofarbe. Süd kann sicher sein, dass der K hinter der D sitzt. Deshalb ist ein Expass zur D sinnlos. Süd legt also die D vor und lässt sie laufen, wenn von West nicht gedeckt wird. Wenn gedeckt wird, gewinnt man den Stich auf Nord. Es spielt jetzt keine Rolle, ob der B bei Ost oder bei West ist. Man gibt nur einen weiteren Stich ab und erfüllt den Kontrakt.

Die Ergebnisse

Ergebnisse

Kein einziges Paar war mutig genug das Vollspiel anzusagen. Unter diesen Umständen konnte man mit einem Pass auf die 1SA-Eröffnung den besseren Score erzielen, da dieser Kontrakt bei optimalem Gegenspiel 3-mal fällt. Dazu müsste Nord jedoch mit Coeur angreifen, was er ohne Gegenreizung kaum machen wird. Aber auch bereits 1SA -2 führten für N/S zu einem besseren Ergebnis als selbst gespielte 2 +2.

Es gibt einige weitere Beiträge im Blog zur Gegenreizung nach 1SA-Eröffnungen: B105, B148, B160

Im folgenden Diagramm vom Bridge solver sehen Sie die erzielbaren Stiche in den verschiedenen Kontrakten. Aber Sie können auch auf ein Kästchen mit einem “-” klicken, dann wird angezeigt, wie viele Stiche die Gegner bei welchem Ausspiel erzielen können. Klicken Sie beispielsweise auf das Kästchen NT von W, dann erscheinen bei Ausspiel von Coeur 9 Stiche, d.h. der 1SA-Kontrakt von West fällt 3-mal.

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