Board 3 beim Paarturnier im Bridgedomizil München am 21. November 25. Gespielt wurde das Board an 7 Tischen. Ost/West sind in Gefahr. Nach der 1SA-Eröffnung des Partners haben Sie einen starken Einfärber in Oberfarbe mit Interesse an mehr als dem Vollspiel.
Die erste Antwort
Süd ist Teiler und passt. Ihr Partner auf West eröffnet mit 1SA (15-17FL, ausgeglichene Hand). Nord passt und jetzt kommen Sie auf Ost:

Sie haben zwar nur 12 Punkte, aber eine interessante Hand mit einer langen Oberfarbe und Chicane in Karo. Was wäre Ihr Gebot?
- 2♥: Transfer auf Pik
- 3♠: mindestens 6-er Länge
Die Bedeutung der Gebote
- 2♥: Ihr Partner wird den Transfer ausführen und 2♠ bieten. Er weiß aber nichts von Ihrer 6-er Länge. Sie können anschließend 4♠ bieten. Dann ist zwar klar, dass es sich um eine 6-er Länge handeln muss. Gleichzeitig verneinen Sie aber ein Interesse an mehr. Ihr Partner wird passen. Das war bei fast allen Paaren im Turnier der Fall.
- 3♠: Hier versprechen Sie eine 6-er Länge und fordern Ihren Partner dazu auf Kontrollen zu reizen. Das sollte man natürlich nur dann machen, wenn ein Interesse am Schlemm besteht. Informationen zur Reizung mit einem starken Einfärber finden Sie auch im Lehrbuch Forum D Plus 2015, die ungestörte Reizung, Seite 287.
Mit der Chicane in Karo kommen Sie auf 15 Figurenverteilungspunkte (FV). Das ist eigentlich etwas knapp für einen Schlemmversuch, da Ihr Partner nicht mehr als 17 Punkte haben kann. Mit einer Chicane kann man jedoch den Kontrakt erfüllen, vorausgesetzt der Partner hat nicht ausgerechnet seine Punkte in dieser Farbe. Deshalb halte ich 3♠ für ein angemessenes Gebot.
Die Frage nach den keycards
Auf 3♠ von Ihnen kommt 4♣ vom Partner. Das ist eine gute Nachricht, da Sie jetzt in allen Farben eine Erst- oder Zweitrundenkontrolle haben. Sie könnten also die normale Ass-Frage mit 4SA stellen. Allerdings wäre die Antwort unbefriedigend, wenn der Partner nur 2 der 3 fehlenden keycards durchgibt. Es fehlen ♠K, ♦A und ♣A. Das ♦A ist mit Chicane in dieser Farbe für Sie uninteressant. Sollte der Partner ♦A und eine der beiden anderen keycards haben, steht der Schlemm auf sehr wackligen Beinen. Selbst wenn der Partner 17 Punkte haben sollte, kommen Sie nur auf 29 gemeinsame Punkte. Da muss der Partner schon die richtigen keycards haben.
Deshalb sollten sie nach der Anzahl der keycards unter Ausschluss von ♦A fragen (Konvention Exclusion keycards). Das geht, indem Sie die Chicane Farbe oberhalb des Vollspiels bieten, in diesem Fall also 5♦. Voraussetzungen für dieses Gebot sind:
- der Fit wurde explizit oder implizit bestätigt
- die Chicane-Farbe muss im Sprung gezeigt werden
- die Abfrage erfolgt oberhalb der Vollspielstufe
Beim vorliegenden Board treffen alle Voraussetzungen zu, Sie können also 5♦ bieten. Auch wenn Sie bei der normalen Ass-Frage mit 4-1/ 3-0 antworten gilt bei der Exclusion keycard Abfrage die umgekehrte Reihenfolge, also 3-0/4-1, um noch rechtzeitig die Reizung stoppen zu können. Das entspricht zwar nicht der Empfehlung im Lehrbuch ist aber trotzdem besser (siehe auch Bridgelexikon von Robert Koch).
Beim vorliegenden Board wird der Partner 5SA bieten (2 keycards ohne Trumpfdame). Danach können Sie mit 6♠ beruhigt den Schlemm ansagen.
Die gesamte Reizung

- 1SA: 15-17FL
- 4♣: Erst- oder Zweitrundenkontrolle
- 5SA: 2 keycards ohne Trumpfdame

- 3♠: 6-er Länge, Schlemminteresse
- 5♦: Exclusion keycard Abfrage
- 6♠: es fehlt keine wichtige keycard
Hätte Ihr Partner auf die Exclusion keycard Abfrage mit 5♥ (0 keycards) oder 5♠ (1 keycard) geantwortet, könnten Sie die Reizung noch vor dem Schlemm stoppen.
Die Ergebnisse
Sie haben zwar nur 27 gemeinsame Punkte, aber die passen gut zusammen. Da auch noch der Schnitt in Coeur erfolgreich ist, können Sie sogar 13 Stiche erzielen. Im Turnier wurde an den 7 Tischen mit einer Ausnahme immer der Oberfarbtransfer durchgeführt. Danach war es schwierig noch den Schlemm zu erreichen. 1 Paar hat es trotz des Transfers geschafft.
Weitere Beiträge im Blog zum Thema „Exclusion keycard Abfrage“: B82, B123, B124, B125, B146, B167, B191, B223
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