Beim 25. DBV-Festival in Wyk im Jahr 2025 gab es auch zum 1. Mal ein Kneipenturnier. Gunthart Thamm, der Chefturnierleiter des Deutschen Bridgeverbands, hat daraus ein Buch mit 24 Lehrbriefen entwickelt. Bei Board 10 geht es um den Mut zum Kontra gegen einen Schlemm.
Die Reizung

- –
- 1♠
- 2♣: NUF
- 4SA: Ass-Frage
- 6♠
- 6SA
- Pass

- –
- Pass
- Pass
- Pass
- Kontra
- Kontra

- 1♦: mind. 4-er Länge
- 1SA: 12-14 F
- 2♠: 3-er ♠, Minimum
- 5♥: 2 keycards von 5
- Pass
- Pass

- Pass
- Pass
- Pass
- Pass
- Pass
- Pass
Ost hat gerade so eben eine 1♦-Eröffnung. West hat trotz 21 Punkten keine Eile und bietet forcierend 1♠. Für einen Sprung brauchte er minimal 16 Punkte aber auch eine gute 6er-Farbe, die sich gegenüber einem Single spielen ließe. Mit 1SA zeigt Ost eine Minimaleröffnung ohne 4-er ♠ und ♣. Immer noch kommt West mit NUF (Neue Unterfarbe Forcing) ohne Sprung aus, worauf Ost sein 3-er ♠ zeigt. Jetzt endlich kommt die Ass-Frage, denn was ist ein Schlemm ohne diese? Damit wurde auch ♠ als Trumpf festgelegt. Ost hat 2 von 5 Assen und West kann 6♠ bieten. Man hat mindestens 33 Punkte und 8 Trümpfe.
Kontra gegen Schlemm
Bisher hat Nord nur gut aufgepasst. Jetzt zahlt es sich aus: Warum wird dieser Schlemm fallen? Nord kann ihn allein schlagen. Wenn Ost nicht 2 Figuren in ♠ hat, bekommt Nord 2 Stiche in dieser Farbe und ♣K kann auch noch einen Stich machen. Und wenn West in Befürchtung eines schlechten Trumpf-Standes in 6SA ausweicht, kontriert Nord wieder. Ohne die ♠-Farbe wird der Gegner nicht 12 Stiche machen und Nord hat eher 2 Stiche in ♠ bevor der Gegner 3 erzielt.
Ein Kontra gegen einen Schlemm wird oft abgegeben, um vom Partner ein ungewöhnliches Ausspiel zu erhalten, z.B. weil man schnappen kann oder eine schlagende Farbe hat. Entwickelt hat diese Konvention Theodore Lightner. Süd kann ♦B von seiner Sequenz angreifen für einen Schnapper in 6♠ oder eine andere Farbe. Hier ist das Kontra ohne spezielle Zusatzbedeutung. Ost ist chancenlos. Er kann erfolglos ♠-Schnitt versuchen und erfolglos auf ausfallende ♠ spielen oder erfolglos ♣-Schnitt machen. Er kann auch Nord nicht einspielen, wenn dieser z.B. ♥ behält. Es kostet wirklich teure 500.
Verlauf an unserem Tisch

- –
- 1♠
- 6SA
- Pass

- –
- Pass
- Kontra

- 1♦
- 1SA
- Pass

- Pass
- Pass
- Pass
An unserem Tisch benutzte West nicht die NUF-Konvention, sondern reizte mit der Holzhammer-Methode und einfacher Partnervergewaltigung 6SA aus. Weil ich keine Ass-Frage gesehen hatte, dachte ich, dass West alle Asse hätte, denn wer reizt einen Schlemm ohne Ass-Frage? Das wäre dann gut für meine beiden Könige und in ♠ würde ich wahrscheinlich auch 2 Stiche machen. Die Überlegung traf zwar nicht die Tatsachen, aber das Kontra war trotzdem erfolgreich.
Die Ergebnisse
Boardzettel: (Idealergebnis: O 6SA X -2 + 500)
1x O 6SA X -2 + 500 88,0 MP 4x W 6♠ -1 + 100 26,0 MP
2x O 6SA -3 + 300 84,0 1x W 3♠ +1 – 170 17,0
1x W 6♠ -3 + 300 84,0 1x W 2♠ +2 – 170 17,0
21x O 6SA -2 + 200 57,0 5x O 4SA = – 630 10,0
3x W 6♠ -2 + 200 57,0 1x W 5♠ = – 650 3,0
2x O 6SA -1 + 100 26,0 1x W 4♠ +1 – 650 3,0
1x W 6SA -1 + 100 26,0 1x O 4SA +1 – 660 0,0 100%
Merkspruch
Achten Sie auch bei scheinbar wertloser Hand auf das Lizit (die Reizung).