Beim 25. DBV-Festival in Wyk im Jahr 2025 gab es auch zum 1. Mal ein Kneipenturnier. Gunthart Thamm, der Chefturnierleiter des Deutschen Bridgeverbands, hat daraus ein Buch mit 24 Lehrbriefen entwickelt. Bei Board 13 geht es um das erste Ausspiel. Beide Parteien sind in Gefahr.
Der Teiler auf Nord passt.
Die Reizung
Falls Sie schon einen Blick auf die Reizungen geworfen haben: Die richtige steht oben. Zur Abschreckung habe ich die falsche darunter gesetzt.

- –
- 1♠: ab 6FL, mind. 4-er ♠
- 3SA: kein Single

- 1♣: ab 2 Karten
- 2♠: Fit, Minimum

- –
- 1♠: ab 6FL, mind. 4-er ♠
- 4♠

- 1♣: ab 2 Karten
- 2♠: Fit, Minimum
Ganz allgemein: Wenn Sie einmal nicht wissen, ob der Kontrakt 3SA oder 4♠ lauten soll, kann ich ohne Ansehen der Hand sagen, dass 3SA richtig ist (siehe Boards 2, 3, 6, 7, 12). Schon der amerikanische Spitzenspieler Bob Hamman hat die nach ihm benannte Regel aufgestellt: Wenn in irgendeinem Board zwischen verschiedenen Kontrakten gewählt werden muss, und einer von ihnen ist 3SA, dann ist das der richtige. Auch meine Regel, Kein Single – dann Sans, trifft hier wieder zu.
West soll nach Eröffnung und späterer Hebung durch seinen Partner 3SA bieten. Das heißt nicht, dass der Endkontrakt schon gefunden ist. Es bedeutet nur: „Ich habe kein Single. Vielleicht können wir SA spielen.“ Ost kooperiert durch Pass, weil er auch keine Kürze hat. Andere Spieler wählen mit 4♠ den unterlegenen Kontrakt.
Machen Sie weiter so, vor allem wenn Sie gegen mich spielen.
Das Ausspiel
Die Reizung ist vorbei. Der Kontrakt ist entweder 3SA oder von 4♠ West.

Nord kann den ersten Fehler im Ausspiel machen.
Was will man im Ausspiel erreichen?
- Man will Stiche entwickeln, d.h. hohe Karten des Gegners heraustreiben, um eigene Karten im Rang zu promovieren.
- Man will Stiche abziehen, bevor der Gegner Karten abwerfen kann.
- Man will Längenstiche machen, indem man Farben spielt, in denen man eine größere Länge hält als der Gegner.
- Man möchte dem Partner Informationen über die Kartenverteilung geben.
- In einem Farbkontrakt kann man versuchen Schnapper zu erzielen.
Hier also wählt Nord die Dame als höchste Karte einer 3er-Sequenz. Damit genügt er den Zielen 1, 2, 3, 4. Was will man mehr? Welche Karte wählt also Nord?
Richtige Spielweise: ♦D.
Die beiden roten Farben sehen ähnlich aus, aber ♦ ist viel besser. Wenn Sie eine rote Dame ausspielen, dann haben Sie nur eine geschlossene Folge mit 4 Karten, wenn der Partner die 9 und nicht als Single hat. In ♦ aber haben Sie diesen Effekt durch die 8 auch noch, wenn ein Gegner die ♦9 maximal zu dritt hält. Und es gibt noch Gerechtigkeit im Bridge: Das technisch richtige Ausspiel beschert die ersten 3 Stiche. Damit macht der Alleinspieler in 4♠ nur -620 statt -650, weil er sonst einen ♦-Verlierer auf ♣ abwerfen könnte.
Aber ♠ ist wieder schlechter als 3SA (q.e.d.). Wenn wieder gut mit ♦D begonnen wird, setzt der Alleinspieler den König erst in der 3. Runde ein. Wenn gegen Sie in 3SA ein Bube oder eine 10 ausgespielt wird, dann ist das oft die höchste Karte einer inneren Sequenz. Das Ausspiel einer Dame ist dagegen fast immer die höchste Karte der Farbe. Deshalb schont man den König und hofft auf ein kurzes Ass bei Süd. Nach 3 Stichen hat Nord-Süd sein Pulver verschossen und der Alleinspieler macht 10 Stiche.
Bei Angriff ♥D hat er weniger Angst und die ersten 10 Stiche.
Das Ergebnis
Boardzettel: (Idealergebnis: W 3SA +1 – 630)
1x W 6SA -2 + 200 88,0 MP 1x W 3SA +1 – 630 53,0 MP
1x O 6♠ -1 + 100 84,0 1x W 5♠ = – 650 31,0
1x W 5♠ -1 + 100 84,0 1x O 4♠ +1 – 650 31,0
1x W 4♠ -1 + 100 84,0 18x W 4♠ +1 – 650 31,0
1x W 3SA = – 600 80,0 1x O 5♠ +1 – 680 5,0
12x W 4♠ = – 620 67,0 5x W 4♠ +2 – 680 5,0
1x O 3SA +1 – 630 53,0 76%
Merkspruch
Spielen Sie die höchste Karte der sichersten Sequenz aus.