GT2 – Weak Two

Beim 25. DBV-Festival in Wyk gab es auch zum 1. Mal ein Kneipenturnier. Gunthart Thamm, der Chefturnierleiter des Deutschen Bridgeverbands, hat daraus ein Buch mit 24 Lehrbriefen entwickelt. Bei Board 2 geht es um die Folgereizung nach der Eröffnung mit einem Weak Two in Oberfarbe.

Die Eröffnung von Süd

Ost ist Teiler und passt.

Obwohl Süd wenige Punkte besitzt, hat man eine gute Eröffnung mit 2. Damit zeigt man 6-10 Punkte und ein 6-er Coeur. Der Partner begrüßt die Eröffnung mit der Ansage „schwach“. Dabei muss sie vom Spielwert her gar nicht schwach sein. Man kann die Ansage tätigen, um den Gegner aus seinem besten Kontrakt herauszuhalten oder aber den eigenen Kontrakt zu finden. Im 2. Fall braucht man dazu eine gute -Farbe. [Wir haben 2 Topfiguren vereinbart.] Nach einer Eröffnung mit Weak Two in Oberfarbe gibt es einige gute Konventionen, die ich kurz schildere:

Konventionen nach Weak Two

1. Singlefrage mit 2SA bei Fit und 13+ Punkten. Der Eröffner nennt darauf die Farbe seines Singles/Chicanes auf Stufe 3. Ohne Single bietet er 3 in der eröffneten Oberfarbe. Hat er alle 3 Topfiguren, lautet die Sonderantwort 3SA.

2. Frage nach Stärke und Farbqualität mit 3♣ (Ogust) bei Fit und 13+ Punkten oder 16+ Punkten ohne Fit. Hier antwortet der Eröffner mit 3 bei schlechter Farbe und 3 / 3♠ bei guter Farbe mit Minimum / Maximum. Auch hier gibt es die Antwort 3SA mit allen Topfiguren. Wenn man diese Frage mit 3♣ stellt, hat man 2SA frei für eine andere Konvention.

Ursprünglich fragte man auch hier mit 2SA. Da wurde dann mit 3♣ und 3 differenziert zwischen schlechter Farbe mit Minimum und Maximum. So war die Konvention konzipiert. Ich halte jedoch die Singlefrage für wichtiger und habe die Ogust-Frage leicht abgewandelt, damit sie auch noch zum Einsatz kommen kann.

3. Eingangsfrage mit 2SA. Der Eröffner nennt darauf die Farbe, in der er einen König oder ein Ass hat. Dieses ist die am Häufigsten benutzte Konvention und gleichzeitig auch die schlechteste und unwichtigste.

Nord braucht aber diese Tricks nicht, denn er weiß schon, wie der Kontrakt lautet.

Das beste Gebot

Richtiges Gebot: 3SA

Für fast alle Nord-Spieler fielen nach der Eröffnung die Scheuklappen herunter. Der Endkontrakt stand schon fest. Leider machten sie es falsch. Sie hoffentlich nicht mehr, nachdem Sie die nächsten Zeilen gelesen haben: Wenn Sans Trumpf wird, dann kann Nord 9 sichere Stiche sehen: 6 in , 2 in , 1 in ♣ und bei Ausspiel ♠ mit ihm als Alleinspieler noch einen weiteren. Das sind Sofortstiche, die man ohne Schnitt und Entwicklung abziehen kann. 3SA sind also sofort erfüllt.

Was passiert aber in 4 von Süd? Bei Ausspiel von ♠B sind die ersten 3 Stiche schon weg. Aber auch ohne ♠-Angriff kann nirgendwo ein 10. Stich herkommen, wenn nicht Ost irgendwann ♠A aufspielt. Die kurze Trumpf-Seite Nord kann keinen Verlierer von Süd schnappen. Nord hat keine Farbe, in der ein Längenstich erzielt werden kann. Der Expass zum ♠K funktioniert nicht. Es bleibt bei 9 Stichen und -100 Score-punkten. Es gibt keine Regel, weder in den Turnierbridgeregeln noch vom DBV noch vom Gesetz des guten Reizens, die vorschreibt, dass man Farbe spielen muss, nur weil man dann 8-10 Trümpfe hätte.

Auch die Thamm-Regel kein Single – dann Sans passt hier.

Spielplan für 3SA

Nach dem Ausspiel claimt Nord für 10 Stiche bei ♠-Angriff und 9 werden es nach anderem Beginn. Dieses Board war schon nach der Reizung entschieden.

Ergebnisse

Boardzettel:       (Idealergebnis: N 3SA =  + 600)

         1x  N 3SA +1  + 630  88,0 MP         1x  N 2 +1     + 140  61,4 MP

         7x  S 4 =       + 620  77,8               5x  N 4 -1      – 100  30,7

         2x  N 4 =       + 620  77,8             24x  S 4 -1      – 100  30,7

         2x  N 3SA =    + 600  66,5               1x  S 6 -3      – 300    0,0

         1x  N 2 +2     + 170  63,4               1x  60% – 60%           52,8        76%

Merkspruch

Überlegen Sie immer, ob der Kontrakt nicht auch in SA gespielt werden kann.