Beim 25. DBV-Festival in Wyk im Jahr 2025 gab es auch zum 1. Mal ein Kneipenturnier. Gunthart Thamm, der Chefturnierleiter des Deutschen Bridgeverbands, hat daraus ein Buch mit 24 Lehrbriefen entwickelt. Bei Board 7 geht es um das Strafkontra gegen ein Vollspiel. Beide Parteien sind in Gefahr.
Die Reizung
Süd ist Teiler und passt.

- 1SA: 15-17 FL
- 2♥: Transfer ausgeführt
- 4♥: Vorzug für Coeur

- 2♦: Transfer auf Coeur
- 3SA: ab 10 FL, ausgeglichen
Nach einer buchmäßigen 1SA-Eröffnung durch West bietet Ost Jacobi–Transfer für die ♥-Farbe. Das sollte er nicht tun! Er hat kein Single, sein Partner hat auch keines. Warum soll ♥ besser sein als SA? Das wird langsam zu einer rhetorischen Frage. Das in meinen Augen richtige Gebot ist 3SA gemäß dem Thamm-Spruch: Kein Single – dann Sans.
Auch der amerikanische Spitzenspieler Bob Hamman proklamiert das in der nach ihm benannten Regel: Wenn bei mehreren möglichen Kontrakten einer davon 3SA ist, dann diesen wählen. Dieses Gebot hat viele Vorteile:
- Sie verraten nicht viel über die Verteilung.
- Sie brauchen einen Stich weniger für ein Vollspiel.
- Sans zählt mehr, vor allem wenn es erfüllt wird.
- Sie werden nicht kontriert.
- Die Trümpfe könnten schlecht sitzen und in SA brauchen Sie vielleicht nicht alle Stiche in dieser Farbe (siehe Board GT3).
Nun aber sind Ost-West auf dem Weg in ihr Unglück. Der Transfer wird ausgeführt und Ost springt in 3SA für Vollspielwerte mit 5-3-3-2. Eine zweite Farbe hätte er genannt und mit einem längeren ♥ dieses wiederholt. Weil West mehr als zwei ♥-Karten hat, wählt er mit 4♥ das Farbspiel.

Was macht Nord?
Richtige Bietweise: X (Strafkontra)
Wie kann Nord jetzt glauben, dass 4♥ fällt?
Es gibt von mir die 1-2-3-Regel für erfolgreiche Kontras gegen Vollspiele:
- Der Gegner darf keine Überstärke ab 30 Punkten haben.
- Der Gegner darf nicht mehr als 9 Trümpfe besitzen.
- Die Karten, insbesondere die Trümpfe, müssen für den Gegner nicht günstig verteilt sein.
Wenn das erfüllt ist, gibt es natürlich keine Garantie für einen Absturz des Gegners, aber der Kontrakt geht viel häufiger down als nicht. Wenn Sie dann erfolgreich sind, haben Sie nahezu 100%, wenn nicht, dann ca. 0%. Wenn das Kontra also in 2 von 3 Fällen klappt, sind es 67%. Noch etwas Psychologie: Wenn man gegen einen Kontrakt spielt, hofft man dass er fällt. Wenn man gegen einen kontrierten Kontrakt verteidigt, dann erwartet man das. Wenn man also erwartet, dass das Spiel nicht erfüllt wird, dann kontriert man!
Der Spielverlauf




Fast alle Nord-Spieler wählten den sicheren Angriff ♦D. Von einer 3-er Sequenz die höchste Karte ausspielen, verschenkt fast nie etwas (außer Tempo) und hilft bei der Entwicklung von Stichen. Sie dürfen von DB10 nicht nach Thamminthal (siehe Board GT4) die 10 ausspielen, um auf ♣ hinzuweisen. Das geht nur bei KDB! Egal ob West den ♦K jetzt oder später oder noch später nimmt, die ersten 3 Stiche sind weg.
Es sieht also nicht nach Überstichen aus. Nord-Süd lösen sich in ♠ zum König. Mit idealem Spiel verliert jetzt der ♣-Schnitt und das Nachspiel wird gewonnen. Dann auf ♠ ein ♣ abgeworfen, ♣A und ♣ gestochen. Jetzt hat Süd nur noch Trumpf und wird für -2 eingespielt. Das konnte fast keiner, so dass es nach frühem Trumpf-Spiel -3 wurden. War ja gar nicht knapp – und Sie wollten nicht kontrieren.
[Im Turnier waren unsere Gegner in 10 Boards Alleinspieler, dabei sind sie in 8 gefallen und nur in 6 Fällen haben wir sie kontriert. Das kann man noch verbessern.]
Ergebnis
Boardzettel: (Idealergebnis: W 4♥X -3 + 800)
1x W 4♥X -3 + 800 88,0 MP 2x W 3SA -2 + 200 18,0 MP
4x O 4♥ -3 + 300 57,0 2x W 4♥ -1 + 100 6,0
24x W 4♥ -3 + 300 57,0 1x W 3SA -1 + 100 6,0
2x W 3SA -3 + 300 57,0 1x W 2♣ = – 90 2,0
2x O 4♥ -2 + 200 18,0 1x W 3SA = – 600 0,0
5x W 4♥ -2 + 200 18,0 100%
Merkspruch
Sie kontrieren viel zu wenig – ich nur zu wenig.