Rezensionen von Lehrbüchern

Rezensionen von Lehrbüchern, die das Bridgespiel verbessern. Alexander von Dercks bespricht hier in lockerer Folge Bücher zum Thema Bridge. Er gibt damit seinen persönlichen Eindruck beim Studium der Bücher wieder. Die Bücher wurden auf eigene Rechnung gekauft. Weder jetzt noch in Zukunft wird es ein Sponsoring von dritter Seite geben. Die Basisliteratur zum Erlernen von Forum D ist auf der Seite Bietsysteme aufgeführt.

Die Kunst, über Bridge nachzudenken

von Torsten Kistner, Ersterscheinung 2020 (bookmondo.de)

Mal ein „anderes“ Bridgebuch! Ein richtiges Lesebuch, das gleichzeitig Lernbuch ist.

Über den Autor heißt es: „Er hat evangelische Theologie und Mathematik studiert und spielt seit 30 Jahren mit wechselndem Erfolg Bridge – meistens in der Regionalliga“. Zu ergänzen wäre: Gut schreiben kann er auch noch.

Nicht erschrecken, wenn man den Wälzer mit über 600 Seiten vor sich hat, er ist gut gegliedert:

– Der Spielplan im Überblick

– Auswertung der Reizung und des Ausspiels

– Der Kampf um die Stiche

– Der Kampf um die Kontrolle

– Der Kampf um die Übergänge

– Stiche aus dem Nichts

– Information

– Tempo und Timing

– Die Suche nach dem besten Spielplan.

Der Spielplan ist das „Ein-und-alles“ der Experten. Den Halbexperten ist es oft zu mühsam und sie flüchten in den Gedanken, dass sich schon alles ergeben wird. Kistner zeigt, dass ein retardierendes Moment vor dem Legen der ersten Karte nie schaden kann und meist ein besseres Ergebnis bringt.

Gut zu lesender Druck, ca. 300 Beispielhände, launiger Text: Man nimmt dieses Buch fast schon für die Entspannung immer wieder in die Hand, wenn gerade mal eine Viertel- oder halbe Stunde Zeit ist. Es garantiert viele Aha-Effekte! Dieses Buch ist sicher kein MUSS, aber es trägt bei, unser Hobby Bridge noch bunter zu machen.

Alexander v. Dercks, September 2021

FORUM D PLUS 2015

von Dr. Karl-Heinz Kaiser, Ersterscheinung 2015, ISBN 978-3935485586, 978-3935485500, 978-3935485586

Die drei Bücher über FORUM D PLUS 2015 kann man sicher als das Standardwerk zu diesem Bietsystem bezeichnen, an dem niemand vorbeikommt. Kaiser hat alles zusammengefasst, was man über die ungestörte Reizung, die Gegenreizung und die Wettbewerbsreizung wissen muss. 

Nein, das sind keine Bücher, die man mal so durchliest. Vielmehr liegt hier eher ein Nachschlagewerk vor. Oder man greift sich ein konkretes Problem heraus und arbeitet dies durch. Die Bücher können den Anspruch großer Vollständigkeit erheben. Das ausführliche Stichwortverzeichnis erlaubt das Suchen nach bestimmten Themen, wobei ich mir hier einen Fettdruck für die Seiten gewünscht hätte, auf denen die Essenz eines konkreten Bridgeproblems steht – so blättert man oft länger, bis man am Ziel ist. Dafür liefert Kaiser mit seinem Verzeichnis der Bietsequenzen eine geniale Hilfe zum Ansteuern konkreter Bietfolgen. Allein dies lohnt den Kauf der Bücher.

Fazit: Ein MUSS für jeden, der in FORUM D weiterkommen will.

Alexander v. Dercks, September 2021

Bridge verstehen – Das Arbeitsbuch zur Logik der Reizung

Bridge verstehen – Das Arbeitsbuch zur Logik der Reizung

von Stefan Back, Ersterscheinung 2017, ISBN 978-3-00-057685-0

Wer Stefan Back aus seinen Seminaren kennt, der weiß, mit welchem Humor und glasklaren Logik er sein Wissen transportieren kann – und warum es so gut beim Schüler ankommt.

Für mich war das Buch drei Jahre nach meinem ersten Bridgeturnier wie der Schlüssel zur Logikwelt der ungestörten Reizung. Backs Einteilung in das Schema „bis 25 Punkte“ und „25 Punkte und mehr“ sowie die Unterscheidung nach schwachen, mittelstarken und starken Blättern und wie sie sich in der partnerschaftlichen Reizung zueinander verhalten ist so einleuchtend, dass es eine Freude ist, dieses Buch immer wieder zur Hand zu nehmen. Die klare Aufteilung der Kapitel von der Eröffnung bis zum 3. Gebot des Eröffners, graphisch gut dargestellt, erlauben auf jeder Stufe der Reizung Antworten auf alle offenen Fragen zu finden. Jedes Kapitel endet mit einem Katalog von Verteilungen, die Auflösungen sind nicht nur die Lösungen, sondern gleichzeitig ein weiterer hilfreicher Lernschritt.

Im Anhang findet man noch die im Buch erwähnten Konventionen (Inverted Minors, Blackwood, Kontrollgebote, Minorwood, Moderateur, NUF, Puppet Stayman, Stenberg, Splinter, Versuchsgebote, VFF, Walsh etc.). Auch dies sehr angenehm zum schnellen Nachlesen in der für Back typischen unverschnörkelten Sprache.

Summa summarum: Für mich DAS Bridgebuch zur ungestörten Reizung überhaupt.  

Alexander v. Dercks, August 2021

25 Bridge-Konventionen

von Barbara Seagram & David Bird, Ersterscheinung 1999 (Originaltitel: „25 bridge conventions you should know”), 8. Auflage 2014, ISBN 978-3-9806482-1-9

Vielleicht ist Eddie Kantar´s Meinung über dieses Buch gleich zu Beginn hilfreich:

„Ein Leser, der fast nichts weiß, wird jedes Kapitel mit der Überzeugung abschließen, dass er die hier erklärten Konventionen spielen kann.“

In der Tat: Es macht Freude, dieses Buch zu lesen. Auch schon wegen seines klaren Aufbaus:

  • Konvention
  • Woher kommt der Name? (gut für die allgemeine Bridgebildung)
  • Beschreibung der Konvention
  • Zusammenfassung
  • Quizfragen mit Lösungen
  • Besonders hervorgehobene kurze Randbemerkungen weisen auf wichtige Details hin.

Als Forum D – Spieler (und darauf weist das Vorwort hin) wird man feststellen, dass in Nordamerika und sicher auch anderswo die einzelnen Konventionen leicht modifiziert gespielt werden. Diese Darstellung muss aber nicht von Nachteil sein – im Gegenteil: Es regt dazu an, die Vereinbarungen mit dem Partner neu zu durchdenken, vielleicht sogar zu ändern. Zumindest gibt es aber spätestens dann einen Aha-Effekt, wenn man mal mit Gegnern am Tisch sitzt, die diese Konvention etwas anders als man selbst spielen.

Die Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel sind kurz und prägnant und machen das Buch zu einem leicht zu lesenden Nachschlagewerk für Anfänger (8 einfache Konventionen) und Fortgeschrittene (17 komplexere Konventionen). Daran, dass in der Übersetzung der Begriff „Überruf“ für das im deutschen Sprachgebrauch übliche Wort „Gegenreizung“ verwendet wird, gewöhnt man sich.

Mein Fazit: Ein MUSS für jeden, der seine kleine Bridgebibliothek pflegen will und Freude an Konventionen als „Salz in der Suppe des Bridgespiels“ hat.

Alexander v. Dercks, August 2021

Mit Glaskarten

von Michael Lawrence, Ersterscheinung 1973 („How to read your opponents´ cards“), ISBN 3-934695-02-7

Michael Lawrence hat dieses (sein erstes!) Buch lange vor seinem Werk „Ausspiele“ (vgl. meine Rezension) geschrieben. Trotzdem ist es weit moderner, klarer. Er war seinerzeit erst 32 und in Vorbereitung der Verteidigung des Weltmeistertitels.

Wie oft sitzt man am Tisch und versucht, einen Schlüssel zu finden, wo eine bestimmte Karte sitzt. Nicht immer gibt es einen Hinweis, aber mit schierer Logik lassen sich Karten erstaunlich oft platzieren. Lawrence zeigt den Weg und reichert jedes Kapitel mit Quizfragen an, bei deren Beantwortung man sich gehörig anstrengen muss.

Ein übersichtliches Layout und gut abgrenzte Beispiele lassen einen das Buch mit Freude nach einem beendeten Kapitel wieder in die Hand nehmen. Einem Bridge-Neuling würde ich die Lektüre nicht zumuten wollen, aber sobald ein solides Grundgerüst sowie Turniererfahrung vorhanden und Ambitionen auf mehr da sind kann man dort viele Aha-Effekte erleben.

Alexander v. Dercks, August 2021

Takeout Doubles

von Mike Lawrence, Ersterscheinung 1994 („The complete book on Takeout Doubles“), ISBN 978-3-902625-70-0

Fast 400 Seiten für einen winzigen Ausschnitt eines Unter-Unter-Abschnittes der Reizung? Vielleicht sieht man daran, wie faszinierend vielfältig das Bridgespiel ist.

Während das Kontra früher lediglich den Zweifel an der Erfüllbarkeit eines Kontraktes zum Ausdruck gebracht hat, erfüllt es heute eine Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten. Fast immer soll der Partner eine Information erhalten, die nicht zu einem PASS seinerseits führen darf.

Das Buch ist übersichtlich gegliedert. Gerade bei einem so „engen“ Thema fällt es nicht leicht, viele Seiten auf einmal zu lesen. Die gelungene Darstellung lässt zu, diese Lektüre nach einigen Seiten wegzulegen und bald wieder aufzugreifen. Dabei begreift man langsam, was für ein mächtiges Werkzeug das Takeout Double ist.

Fazit: Eine hoch spannende Lektüre für Fortgeschrittene.

Alexander v. Dercks, August 2021

Ausspiele

von Michael Lawrence, Ersterscheinung 1996 („Leads“), ISBN 1-885691-06-8

Michael Lawrence hat eine Vielzahl von Büchern geschrieben. Und es waren auch gute darunter. Dieses hier ist vermutlich sein Schwächstes.

Nicht, dass ich etwas besser wüsste von dem, was drin steht. Aber 351 Seiten anstrengend zu lesendem Druck und Schriftbild, ohne aufmerksamkeitsfördernde grafische Darstellung, in monotoner Sprache und mit viel zu vielen Beispielen …. diese Herausforderung muss man erstmal auf sich nehmen. Wer von sich behaupten kann, dieses Buch von vorn bis hinten gelesen zu haben, der hat Nehmerqualitäten und verdient meinen tiefen Respekt. Vielleicht schafft man es am ehesten häppchenweise.

Bridge und Bridgeliteratur muss nach meinem Dafürhalten Spaß machen. Schade, wo dieses Thema so wichtig und oft spielentscheidend ist.

Alexander v. Dercks, August 2021